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Im Energiemarkt und dessen Regelwerk gibt es große und andauernde Änderungen. Dies stellt uns, unsere Kunden und alle Marktpartner bei der täglichen Arbeit vor viele Herausforderungen. Einige Antworten auf diese haben wir in unserem Blog zusammengetragen.

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Klimaziele in Gefahr - Teil III


Eintrag vom: 04.01.2016
Nachdem wir im Teil I und II dieses Beitrags zum Teil auf technische und politische Faktoren zur Problematik konventioneller Kraftwerke eingingen, sei in diesem Dritten und letzten Teil auch auf marktspezifische Faktoren hingewiesen, wobei gerade dieBesonderheiten beim Einkauf bzw. Verkauf von Stromprodukten an der Strombörseviel zu selten Beachtung finden.

Die Nachfrage im Strommarkt ist vor allem durch zeitlich differenziertes Verbraucherverhalten gekennzeichnet, was im Stromgeschäft als Lastprofil bezeichnet wird. Um diesem Umstand gerecht zu werden, unterscheiden sich die angebotenen Produkte an einer Strombörse vor allem durch die zeitliche Diskrepanz der Lieferung. Die so genannten Blockprodukte beschleunigen zudem den Handel an der Börse. Gerade beim Terminmarkt können Geschäfte sehr langfristig, mit einer Laufzeit über mehrere Jahre abgeschlossen werden. Dies gewährt über einen längeren Zeitraum auch eine relativ sichere Grundversorgung. Am so genannten Spotmarkt werden die Stromprodukte dagegen mit kürzerer Laufzeit gehandelt. Blöcke, welche z.B. die Grundlast eines Tages abdecken, werden als Baseloads bezeichnet. Und hier passiert aber gerade ein folgenreiches Szenario:

Die Baseprodukte der kommenden Jahre sind nunmehr alle unter 30 EUR/MWh angekommen. Base 2018 kostet am 16.12.2015 25,95 EUR/MWh.
Ein Tiefpunkt, der keinen Anlass zur Freude liefert.

Das aktuelle Dilemma

Bei diesem Preis lohnt sich der Betrieb vieler Kraftwerke nicht mehr und erst recht werden keine Neubauprojekte oder Modernisierungen zwar fossile,aber dem Stand der Technik entsprechenden Kraftwerke hinsichtlich Wirkungsgrad und/oderUmweltbelastung begonnen oder weitergeführt. Die Energiewendeziele der Stromerzeugung müssen so komplett durch den Zubau erneuerbarer Anlagen erreicht werden.Was bei aller Intention innerhalb des nächsten Jahre schlicht nicht möglich ist, Stichworte Speicherkapazitäten und vor allem Netzausbau.

Die Frage bleibt also, wie wir aus dieser Situation rauskommen wollen bzw. können, ohne daß wir weiter die Klimaziele verfehlen, oder/undKosten verursachen. Denn: Laut Darstellung des BUND beträgt der Anteil der Kohle am Energiemix noch immer rund 45 Prozent. Und die Kohleverstromung hat letzthin sogar wieder zugenommen- entsprechend also auch die deutschen CO2-Emissionen.

Das bedeutet, dass der CO2 - Ausstoß je erzeugter kWh in den konventionellen, also nicht hinsichtlich des EEG betriebenen Anlage nicht sinkt und mit den schon feststehenden Atom-Stilllegungen sogar steigt!

Bei höheren Preisen würden aber ineffiziente „Dreckbraunkohlekraftwerke“ durch effizientere Kohlekraftwerke oder durch Gaskraftwerke ersetzt werden. Dabei sind, wenn wir schon vom konventionellen Kraftwerksbetrieb sprechen, Kohlekraftwerke weit klimaschädlicher als moderne Gaskraftwerke. Die im Grunde richtige Förderung der Kraft - Wärme Kopplung (KWK)ist ein wichtiger, aber wenig ausgebauter Nebenschauplatz: Mehr als die Hälfte der frei gesetzten Wärme geht nach Angaben des BUND bislang bei der Verstromung durch Kohlekraftwerke ungenutzt verloren. Die Umrüstung respektive Ausnutzung staatlicher Anreize und wirtschaftlicher Vorteile bei erfolgter KWK findet bei den Betreibern wenig Gehör: Wer investiert schon in ein Auslaufmodell?

Fazit

Es kommt also bei den derzeitigen Regelungen und Preisen kein wirklich bewegender Beitrag zur CO2-Senkung von den konventionellen Kraftwerken her. Vor dem Hintergrund der jüngst erfolgten historischen Klimakonferenz von Pariskönnen diese Nachrichten aus dem Land der Energiewende als Blamage angesehen werden. Doch es geht nicht um den Ruf, es geht zugleich um unser Klima und unser Kapital.

Energiekonzerne und Staat: Wer knebelt wen?

Der aktuelle Konzernumbau beim ehemaligen Branchenprimus E.ON hat dem Unternehmen bis zum zweiten Quartal 2015 neben einem radikalen Stellenabbau schon einen Verlust von 3,2 Milliarden Euro beschert, Tendenz ungebremst. Auch RWE warnt gebetsmühlenartig vor weiteren Arbeitsplatzabbau und sieht sich mit der undankbaren Aufgabe des Betreibers konventioneller Kraftwerkein der Rolle des „Letzten, der das Licht ausdreht“.

Energiekonzerne in der Hauptverantwortung?

Natürlich will keiner den „schwarzen Peter“ anziehen, weder Bund noch Länder, weder Stromlieferanten noch -erzeuger. Umweltorganisationen wie BUND oder Greenpeace sehen die Hauptverantwortlichkeit bei den Energiekonzernen, die sich nach der finanziell goldenen Ära der Atomkraft mit nun höherem unternehmerischen Risiko aus dem konventionellen Kraftwerksbetrieb, bzw. dem AKW - Rückbau aus der Verantwortlichkeit allzu einfach zurück ziehen wollen. Damit haben die Kritiker auch ein großes Stück weit Recht, denn die Zeichen der Zeit waren auch vor dem beschleunigten Atomausstieg erkennbar. Aber ganz so einfach ist es eben auch nicht, denn der Bund trägt auch Mitverantwortung an der Gewährleistung solider Rahmenbedingungen, unter denen ein Wirtschaftsunternehmen, wie eben RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW es sind, eben wirtschaftlich handeln können.

RWE - Chef rüttelt an der Kraftwerksfessel

Wirtschaftlichkeit schließt zur Wahrung sozialen Friedens neben einer Kette von Faktoren wie der Versteuerung von Unternehmensgewinnen auch Angebot und Sicherung von Arbeitsplätzen mit ein. Schon im Frühjahr 2015 warnte RWE - Konzernvorstand Peter Terium vor einer „dramatischen Situation innerhalb der konventionellen Stromerzeugung“. Damit implizierte der RWE - Chef, daß ein weiterer Rückbau bzw. Ausstieg aus dem Kraftwerksbetrieb nicht auszuschließen sei.

Von den arbeitsmarktpolitischen wie finanziellen Auswirkungen einmal abgesehen, verhallt der Terium’sche Stoßseufzer auch in den oberen Etagen der BNetzA: Denn sollten nach und nach weitere Kraftwerke vom Netz gehen, muß Deutschland mehr Strom aus den Nachbarländern importieren, um drohende Engpässe im Stromnetz zu vermeiden. Kostensteigerung inklusive.

RWE pokert also höher, um der laufenden Verantwortung im Kraftwerksbetrieb auch zukünftig gerecht zu werden, also nicht nur technisch und betrieblich, sondern auch ökonomisch. Was aus RWE- Sicht auch völlig legitim ist

Grafik: Baseprodukte im Sinkflug 2016 (Quelle: ©EEX Leipzig, Phelix Base Year Future)

Liberalisierung: Am Ende der Staat

Es eröffnet sich also wieder einmal die Frage nach der Haftungsfalle und wer in sie hineintappt. Im Zweifelsfalle wohl immer das letzte Ende der Kette, also die Verbraucher, mangels weiterer Alternativen. Denn egal, ob Zertifikatehandel, Stromimport, Stellenabbau, EE - Subventionen oder Lieferengpass.Am Ende klaffen Wunsch und Wirklichkeit bei Ausbau der Energiewende, Verantwortlichkeit im Kraftwerksbetrieb Versorgungsssicherheit, Verbraucherschutz und Klimazielen immer irgendwo auseinander.

Vielleicht wäre es ehrlich, bis zur Vollendung der Energiewende den Kraftwerksbetrieb wieder unter staatlicher Hoheit zu führen. Es bliebe unrentabel, doch die Unternehmen wären nicht zu Gewinnen verpflichtet. Sodurch entstünde etwas mehr betriebliche wie ökonomische Planungssicherheit. Gerade für die Klimaziele.